Die Sattelpassform aus Sicht der Chinesischen Medizin

Genau in der Sattellage des Pferdes verläuft eine der wichtigsten Energieleitbahnen die wir in der chinesischen Medizin kennen, der Blasenmeridian. Auf dem Blasenmeridian liegen die so genannten Zustimmungspunkte. Dies sind Akupunkturpunkte, welche Beziehungen zu den Organen des Pferdes haben. Zustimmungspunkte werden zu therapeutischen Zwecken genutzt, haben aber auch einen großen diagnostischen Wert. 


Der Akupunkteur ist in der Lage, durch drücken der Zustimmungspunkte etwas über den Zustand der Organe des Pferdes zu erfahren. Die Punkte geben Auskunft, wie die energetische Situation in den den entsprechenden Meridianen zum Zeitpunkt der Untersuchung aussieht. So kann auch der Therapieverlauf während einer Akupunkturbehandlung über die Prüfung der Zustimmungspunkte kontrolliert werden.


Sind die Zustimmungspunkte druckdolent, das heißt, zeigt das Pferd eine Reaktion auf das Drücken des Punktes, so kann der erfahrene Therapeut daran eine Störung oder Disharmonie im Energiefluss des dazugehörigen Organs erkennen. 


Ebenso kann das Organ und der Meridian über den Zustimmungspunkt akupunktiert und somit behandelt werden und das Organ somit beeinflusst werden.







Die Zustimmungspunkte liegen auf dem Rücken des Pferdes, etwa eine Hand breit rechts und links neben der Wirbelsäule. Genau dort, wo wir auch den Sattel auflegen.

Der erste Zustimmungspunkt, welcher durch den Sattel beeinflusst wird, sitzt direkt hinter dem Schulterblatt. Von dort ausgehend liegen alle weiteren Zustimmungspunkte wie eine Kette aufgereiht, dem Rücken des Pferdes folgend, in einer Reihe. Sie liegen immer in den Intercostalräumen, den Zwischenräumen der Rippen.


Da in dem Bereich der Lage der Zustimmungspunkte auch der Sattel aufliegt, kann dieser die Zustimmungspunkte des Pferdes ungewünscht stimulieren und zu Problemen des Pferdes führen, da der Energiefluss der Meridiane blockiert werden kann.


Der Zustimmungspunkt, welcher direkt hier dem Schulterblatt liegt ist Blase 13. Er ist der Zustimmungspunkt der Lunge. Nächster Punkt, Blase 14 ist der Zustimmungspunkt des Pericards, des Herzbeutels, der auch Bezug zum Herzen des Pferdes hat.

Blase 15 ist der Zustimmungspunkt des Herzens.


Lunge und Herz sind wichtige Organe, da wird mir jeder zustimmen. Genau diese Zustimmungspunkte werden von zu engen Sätteln gequetscht. Über die zu starke Stimulation ergeben sich Probleme im Atemwegs und Herz-Kreislauf Bereich. Pferde husten vermehrt unter dem Sattel, ihre Atmung ist eingeschränkt und sie sind wenig leistungsbereit.


Ein passender Sattel kann diese Probleme vollständig beseitigen. Sinnvoll ist eine Zustätzliche Akupunkturbehandlung, um den harmonischen Energiefluss wieder herzustellen.


Weiter hintem im Breich von Blase 17 (Zustimmungsbereich des Zwerchfells) wird durch einen unpassenden sattel ebenfalls die Atmung beeinflusst. Sättel, die in der Mitte verstärkt aufliegen, also nach vorne und hinten kippeln, können so zu Atemnot des Pferdes führen.


Am Ende der Sattellage finden sich noch Blase 18 und 19, Zustimmungspunkte von Leber und Gallenblase. Leber und Gallenblase sind in der chinesischen Medizin der Muskulatur zugeordnet und beeinflussen den gesunden Bewegungsablauf des Pferdes.


Drückt der Sattel vermehrt in diesem Bereich so kann es zu Verspannungen der gesamten Rückenmuskulatur sowie zu Störungen im Ablauf der Bewegungen. Dies kann auch die Vor- und Hinterhand des Pferdes in Mittleidenschaft ziehen.


Aber nicht nur am Rücken gibt es empfindliche Akupunkturpunkte. Auch im Bereich des Gurtes sind Akupunkturpunkte und Meridiane zu finden. Sie werden durch einen quetschenden Sattelgurt gestört. Es ist also immer darauf zu achten den Gurt niemals ZU fest anzuziehen.




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Kommentare: 7
  • #1

    Karin (Freitag, 22 Mai 2015 22:08)

    Sehr gut erklärt. Und nachdem ja mittlerweilen fast jeder zur Krankengymnastik, Massage und Reha rennt, sollte man mal drüber nachdenken, ob es sein Pferd nicht verdient, einen anständig angepaßten Sattel zu tragen - und schwupst - würden wahrscheinlich viele Probleme plötzlich verschwinden, bzw. erst gar nicht entstehen!

  • #2

    Katrin Hosner (Freitag, 13 November 2015 14:46)

    Warum werden Pferden dann ÜBERHAUPT geritten? Wenn es anscheinend, ginge es nach Pferdetherapeuten, so schädlich ist. Oder geht es da wie mit allem nur ums Geld und das Ego.

    Ich kenne sehr, sehr viele Pferde die zufrieden sind, auch gerittene. Vielleicht liegt dies, das diese Menschen anders sind.

  • #3

    Marie Ziege (Samstag, 14 November 2015 08:05)

    Nein, es geht doch nur darum, einen passenden Satzel aufzulegen!
    Ich finde den Text gut geschrieben und sehr richtig!

  • #4

    Katja Doering (Samstag, 14 November 2015 08:11)

    Hallo, es ist auch sehr wichtig wie der Reiter sitzt. Hat er Hohlkreuz und drückt die Brust raus ist der Lendenwirbelbereich des Pferdes stark beansprucht. Hat man dann noch einen Sattel der das begünstigt, dann wirds noch schlimmer. Der Büromemsch gerade muss viel mehr an seinem Körper arbeiten als das Pferd. Das muss es nur aushalten ;-(

  • #5

    Birgit (Sonntag, 15 November 2015 23:17)

    Sehr interessant und aufschlussreich, dickes Danke für diesen Artikel =:o))

    An meine Vorkommentatorin Katrin Hosner:
    Ich denke nicht, daß ein Mensch, der anders denkt bewirken kann, daß sein Pferd keine Schmerzen hat. Er wird wohl eher nicht dasauf achten und die Schmerzen nicht bemerken. Die Rede ist ja davon, daß UNpassende Sättel Beschwerden auslösen können.
    Mein Endmaß pony ist nun 33, wir sind kleinere Distanzen geritten usw usf. Sie ist quietschfidel, gesund an Beinen und Rücken. Ein gut passender Sattel war immer selbstverständlich.
    Ich finde es klasse, immer wieder Neues zu lernen,damit ich meine Ponies aufmerksam beobachten und Unwohlsein früher erkennen kann, ohne zum Fehlergucker zu werden. =:o))

  • #6

    Markus König (Dienstag, 17 November 2015 21:38)

    Schöner Vortrag! Wir haben die Sättel umpolstern lassen, sie habe jetzt einen von der Form her "romanischen Bogen" im Kopfeisen und liegen nicht am Widerrist sondern links und rechts darunter auf. Die Schulter bleibt frei. Ergebnis: das Pferd läuft wie ein Glöckle. Der Blasenmeridian wird nicht mehr beeinträchtigt.

  • #7

    Claus Pohl (Sonntag, 27 Dezember 2015 23:06)

    Sehr schöner Vortrag. Und dann gehe ich zum nächsten Vortrag und derjenige erklärt die selbe Sache nur mit anderen Worten und anderen Ursachen. Und danach nochmal ein anderer und alle reden von der selben Sache, nur nennen es etwas anderes. Sogar Hanken erzählt das gleiche. Die Ursache und Probleme haben wir doch zu genüge durchgekaut. Wenn sich nicht der Reiter, Besitzer und Halter ändert, wird immer noch nichts geändert.
    Das ist wie mit Rollkur! Alle klagen und verdammen es,aber auf dem Turnierplatz applaudieren und jubeln sie! Das gleiche mit Hanken. Wie kommt es, dass er komplett ausgebucht ist, obwohl sich alle beschweren?
    Wie soll eine Änderung entstehen, wenn die meisten nicht willig sind den Preis zu zahlen. Wenn ich von Preis rede, meine ich nicht ausschließlich Geld sondern auch Einsatz, Geduld, Verständnis!